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OTTO SEIBT "
DAS FOTOGRAFISCHE GEDÄCHTNIS VON LÄSIKOW "
Otto Seibt hat als Zugereister aus Berlin über 50 Jahre " von 1921 bis 1974 "
als Kaufmann und Hobbyfotograf in Läsikow gelebt
und er hat gern dort gelebt.
Er fotografierte seit etwa 1908, später diente ihm sein Hobby auch als kaufmännischer Nebenerwerb; denn geschäftstüchtig war Otto Seibt immer gewesen.Etwas narzisstisch ebenfalls.
Der Selbstauslöser seiner Kamera war häufig in Gebrauch.
Sein ganzes Leben liegt wie ein Bilderbuch vor uns.
Ernst und würdevoll zeigt er sich und seine Umwelt im Bilde
aber auch ironisch und mit einem leichten Augenzwinkern.
Als der Enkel gegen Ende der 60er Jahre bei einem
Passierscheinbesuch die kleine Dunkelkammer des Seibtschen
Hauses erkundete, verstaubten dort Pappkartons mit über
600 Negativplatten und hunderten von Rollfilmnegativen,
ein annähernd kompletter Nachlaβ:
denn zu der Zeit hatte Otto Seibt die Kamera schon zur Seite gelegt.
Vor allem die Motive aus dem Berliner Arbeiterbezirk Wedding um 1910 haben mich sofort
fasziniert, die LÄsikow-Bilder erschienen damals weniger interessant.
Obwohl fototechnisch überhaupt nicht bewandert, beschloβ ich, diesen Schatz mit
Groβvaters Einverständnis zu bergen und ins damalige Westberlin zu überführen,
was nicht ganz risikolos schien; denn die Volkspolizei war allzeit bereit zu konfiszieren.
Die Fotoplatten galten aber offenbar als wertloser Plunder und durften passieren.
Damals konnte man von den alten Platten noch problemlos preiswerte
Kontaktabzüge machen lassen.
Das geschah und nicht eine ging erstaunlicherweise zu Bruch.
Was Sie heute hier sehen, sind Digitaldrucke von den damaligen Neuabzügen oder
von noch vorhandenen Altabzügen (Vintage-Prints nennt man die neudeutsch).
Die computergenerierten Abzüge wirken vielleicht nicht ganz so brilliant wie die
Direktabzüge, die in einer ersten kleinen Otto Seibt- Ausstellung 1992
in Berlin-Weissensee hingen. Die Bilder leuchteten damals erstaunlich frisch.
Als kostengünstige Alternative machen aber auch unsere heutigen Ausdrucke einen
ganz guten Eindruck.
Der Schwerpunkt liegt hier auf den Läsikower Jahren.
Besonderer Dank sei an dieser Stelle Frau Nentwig ausgesprochen, die die Abzüge
ausgeführt hat und Herrn Mauer für die Konzeption der ganzen Ausstellung.
Viel Arbeit steckte in den Vorbereitungen. Die alten Negativoriginale hatte seinerzeit
der Fotohistoriker Prof. Diethart Kerbs übernommen,
der sie in ein Berliner Fotoarchiv überführte
und 1992 jene Berliner Ausstellung zusammen mit einem kleinen Begleitband erstellte.
Auch ein Aufsatz in einem Fotofachblatt wurde von ihm veröffentlicht,
in dem er Otto Seibt mit August Sander,
dem berühmten Porträtfotografen der 20er Jahre, verglich.
Vielleicht ein biβchen zuviel der Ehre, aber man will nicht widersprechen.
Herr Kerbs kann heute leider nicht anwesend sein,er hat aber geschrieben und
einen groβartigen Plan entwickelt, wie Läsikow mit einem Museum
der ländlichen Fotografie ins touristische Blickfeld zu rücken sei.
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